Landespressekonferenz mit Abstand: Senator Ties Rabe (l.) letzten Freitag zur geplanten Schulöffnung. Foto: © Claudia Pittelkow

Nächste Woche werden die Schulen wieder öffnen

In ganz Deutschland soll die Schule Schritt für Schritt wieder beginnen. Das haben die Ministerpräsidenten der Länder und die Bundeskanzlerin vergangene Woche beschlossen. Der Beschluss legt auch fest, welche Klassenstufen zuerst wieder in die Schule dürfen: Ab nächsten Montag, 27. April, werden sich zunächst die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen in der Schule auf ihren Schulabschluss vorbereiten können. Eine Woche später, am 4. Mai, sollen die Klassenstufe 4, die Klassenstufe 6 der Gymnasien sowie die Oberstufen von Stadtteilschule und Gymnasium folgen. Damit sich niemand infiziert, werden alle Klassen in kleine, strikt getrennte Lerngruppen aufgeteilt.

Insgesamt profitieren an Hamburgs Grundschulen rund 20 Prozent und an weiterführenden Schulen bis zu rund 45 Prozent aller Schüler von dem neuen Unterrichtsangebot in der Schule. So werden in der kommenden Woche ab dem 27. April die Klassenstufen 9, 10 und 13 der Stadtteilschule, 10 und 12 der Gymnasien, 9 und 10 der Regionalen Bildungs- und Beratungszentren sowie die Abschlussklassen der Berufsbildenden Schulen erste Präsenzangebote zur Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen bekommen. Ab dem 4. Mai beginnen die Unterrichtsangebote für die Klassen 4 der Grundschule, die Klassen 6 und 11 der Gymnasien sowie die Klassen 12 der Stadtteilschulen. Schulischen Präsenzunterrichtet gibt es dann für vier der neun Klassenstufen der Stadtteilschulen, für vier der insgesamt acht Gymnasialstufen und für eine der fünf Klassenstufen der Grundschulen.

In den nächsten Wochen werden die Schulen Schritt für Schritt ihre Präsenzangebote ausbauen. Spätestens ab dem 25. Mai bekommen alle oben genannten Klassenstufen bis auf die Abiturklassen ein schulisches Präsenzangebot im Umfang von der Hälfte der regulären Unterrichtsstunden nach Stundentafel. Die andere Hälfte findet weiterhin im Fernunterricht statt. Bildungssenator Ties Rabe: „Das neue Unterrichtsangebot ist ein vorsichtiger erster Schritt, aber nicht vergleichbar mit dem vollen Unterrichtsprogramm vor der Corona-Krise. Wir nehmen den Infektionsschutz sehr ernst. Für uns gilt: Sorgfalt vor Geschwindigkeit.“

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Damit sich niemand in der Schule infiziert:
Kleine Lerngruppen sorgen für nötigen Abstand

Bei der schrittweisen Schulöffnung ist der Infektionsschutz oberstes Gebot. Um die Abstandsregeln einhalten zu können, werden alle Klassen in kleine und strikt getrennte Lerngruppen mit höchstens 15 Schülern aufgeteilt. Damit folgt die Schulbehörde den Empfehlungen der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Die Lerngruppen bekommen dann intensiveren, aber in der Stundenzahl reduzierten Unterricht: Rund die Hälfte in der Schule, die andere Hälfte als Fernunterricht zu Hause. Der Wechsel beider Unterrichtsformen ermöglicht es, dass nur ein Bruchteil der Schüler gleichzeitig in der Schule ist. Rabe: „Es ist eine große Aufgabe, guten Schulunterricht und bestmöglichen Infektionsschutz sicherzustellen. Wir nehmen diese Aufgabe sehr ernst.“ 

Die Aufteilung in kleine Lerngruppen und die Reduzierung der Unterrichtsstunden in der Schule haben das Ziel, die Anzahl der gleichzeitig in der Schule verweilenden Schüler deutlich zu beschränken. Halbierte Unterrichtszeit, halbierte Klassengrößen und die Tatsache, dass zunächst ohnehin nur etwa die Hälfte aller Klassenstufen in die Schulen dürfen, führen dazu, dass sich in den nächsten Wochen zu keinem Zeitpunkt mehr als 25 Prozent der Schüler in einer Schule aufhalten. Damit die Rechnung aufgeht, müssen die Lerngruppen abwechselnd in den Schulen unterrichtet werden. Vier Modelle stehen zur Auswahl, die das sicherstellen sollen.

Möglich ist etwa ein wöchentlicher Wechsel von Lerngruppen, also Gruppe 1 lernt eine Woche in der Schule und eine Woche im Fernunterricht, Gruppe 2 verfährt umgekehrt. Alternativ kann täglich gewechselt werden, also Gruppe 1 lernt an jedem zweiten Tag in der Schule und den anderen Tag im Fernunterricht, Gruppe 2 verfährt umgekehrt. Dann gibt es noch die Möglichkeit der Blocktage: Gruppe 1 hat montags und dienstags sowie jeden zweiten Mittwoch Präsenzunterricht in der Schule und donnerstags und freitags Fernunterricht, Gruppe 2 verfährt umgekehrt. Zuletzt sind auch Vor- und Nachmittagsschichten möglich: Eine Lerngruppe hat immer vormittags Unterricht, die andere Lerngruppe immer nachmittags. Die Schulen können sich zwischen den Modellen entscheiden.

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Foto: © www.colourbox.de

Umfassender Infektionsschutz an Schulen

Wenn Hamburg seine Schulen nächste Woche für erste Unterrichtsangebote öffnet, steht der Schutz der Gesundheit an vorderster Stelle. Kleine Lerngruppen und eine reduzierte Aufenthaltsdauer in der Schule sind die Grundlage für einen umfassenden Infektionsschutz. So soll der Unterricht einer Lerngruppe immer in demselben Klassenraum stattfinden, damit Schüler nicht durch das Gebäude laufen und der Klassenraum jeden Tag gezielt und verlässlich gereinigt werden kann. Gruppentische und Gruppenarbeit sind aufgrund der Infektionsgefahr verboten. Die WC-Anlagen sollen zwei Mal am Tag gereinigt werden, Seifenspender und Desinfektionsmittel stets gefüllt bereitstehen. Gestaffelte Pausenzeiten oder getrennte Areale für die verschiedenen Lerngruppen auf dem Schulgelände oder im Schulgebäude helfen ebenfalls, die Infektionsgefahr zu bannen. Alle Schulen haben in Zusammenarbeit mit der Schulbehörde ein Hygienekonzept erarbeitet und werden die Schülerinnen und Schüler zur Einhaltung der Regeln erziehen.

Besorgten Eltern und Lehrkräften kommt die Schulbehörde entgegen. Kranke Kinder müssen nicht in die Schule. Schülerinnen und Schüler werden auch dann von der Teilnahme am Unterricht befreit, wenn sie gesund sind, aber in häuslicher Gemeinschaft mit Personen leben, die im Fall einer Infektion besonders gefährdet wären. Dies ist etwa dann der Fall, wenn Vater oder Mutter nach einer Organtransplantation Immunsuppressiva einnehmen müssen. In Bezug auf die Lehrkräfte gilt selbstverständlich dasselbe. Um die Betreuungsprobleme von Lehrkräften mit kleinen Kindern zu lösen, haben Schul- und Sozialbehörde vereinbart, dass Lehrkräfte jederzeit die Notbetreuung der Hamburger Kindertagestätten in Anspruch nehmen können.

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Schulleiterin Barbara Kreuzer Foto: © Claudia Pittelkow
Unten: Videokonferenz mit dem Elternrat - klappt alles! Foto: © Stadtteilschule Helmuth Hübener

Schulleiterin in Interview:
„Fernunterricht als Chance für die Schulentwicklung“

Seit fünf Wochen steuert Schulleiterin Barbara Kreuzer die Stadtteilschule Helmuth Hübener in Barmbek durch die Corona-Krise. Rund 1.100 Schülerinnen und Schüler sowie rund 130 Lehrkräfte praktizieren seitdem den Unterricht als Fernunterricht, unterstützt von engagierten Eltern zuhause. Eine enorme Herausforderung für alle, aber: es läuft. Und nicht nur das: „Ich sehe den aktuellen Fernunterricht sogar als Chance für die Schulentwicklung“, so Kreuzer.

Newsletter: Frau Kreuzer, in einer Videokonferenz mit ihrem Elternrat waren kürzlich alle Eltern regelrecht begeistert davon, wie das Lernen an Ihrer Schule digital gemanagt wird. Was sind die Gelingensbedingungen?

Kreuzer: Eine wichtige Entscheidung, die uns bis heute beflügelt, ist, dass wir der Schulschließung zu 100 Prozent digital begegnet sind. Nach der Entscheidung, den Regelbetrieb auszusetzen, hat es an unserer Schule kein einziges physisches Treffen mehr gegeben. Medienkreis und Schulleitung haben sich zwei Wochen lang täglich bei „Jitsi meet“ getroffen und für alle Aufgabenbereiche die Digitalisierung der Schule durchdacht und Empfehlungen erarbeitet. Nach den Ferien haben die Abteilungsleitungen mit Videokonferenzen von Jahrgang 5 bis 13 die Arbeit aufgenommen. 

Newsletter: Und das hat von Anfang an funktioniert?

Kreuzer: Natürlich haben wir Fehler gemacht, etwa viele Besprechungen auf den Vormittag gelegt, so dass gar nichts mehr ging und alle durcheinander geredet haben, das war höllisch anstrengend. Mittlerweile finden alle Besprechungen, egal ob Klassenbesprechungen, Beratungsdienst, Team- oder Schulleitungssitzungen, zu festen Terminen in Videokonferenzen statt. Diese Kommunikationsform haben viele Lehrkräfte auch für ihre Klassen genutzt: Für Klassenräte, für Gruppenarbeit, zur morgendlichen Begrüßung, für Elternabende oder Treffen mit Elternvertretern.

Newsletter: Für den Fernunterricht ist es wichtig, die Schüler zum Selbstlernen zu bringen. Wie schaffen Sie das? 

Kreuzer: Überall da, wo neue Medien im Spiel sind, ist die Chance groß, dass Spaß in die Schule einkehrt. In den letzten Wochen sind viele tolle Schülervideos entstanden wie „Ich koche das Mittagessen für meine Familie“, „Erklärvideo zu den von mir gelösten Matheausgaben“ oder „Wir bleiben zu Hause - wie machen wir das?“ Ob dieser Freude, mit der sich die Schüler präsentieren, dem Humor, der Lebendigkeit – da geht mir geht das Herz auf! Und ich empfinde eine große Nähe zu den Schülerinnen und Schülern, obwohl wir uns nicht treffen können.

Newsletter: Und wie stellen Sie sicher, dass die Schüler auch am Ball  bleiben?

Kreuzer: Wichtig ist eine Tagesstruktur. Die Klassenlehrer haben zwei ritualisierte Kontakte am Tag. Am Morgen um 9 Uhr, damit alle aufstehen, und gegen Nachmittag. Manche Lehrkräfte wenden sich mit einer Videobotschaft an ihre Schüler, manche lassen ein Foto in die Klassengruppe stellen, andere machen eine Videokonferenz. Eine Tagesstruktur versuchen wir auch durch Aufgabenformate zu erreichen, die die häusliche Realität mit einbeziehen und den Schülern Angebote für den ganzen Tag machen. So bietet etwa ein Sportlehrer gemeinsam mit seiner Tochter für den gesamten Jahrgang 6 tägliche Fitnessübungen an. Wir haben unseren Fernunterricht rund um die Beziehung zwischen Klassenlehrkraft und Klasse gebaut, so wie wir es auch im normalen Schulbetrieb tun. 

Newsletter: Wo sehen Sie an Ihrer Schule die Schwierigkeiten beim Homeschooling?

Kreuzer: Wir müssen sehr aufpassen, dass wir die Kollegen nicht überfordern, vor allem wenn sie sich parallel zu allem auch noch in die digitalen Anforderungen einarbeiten müssen und/oder zu Hause ihre Kinder betreuen. Noch nicht zufriedenstellend gelöst haben wir auch das Hin- und Hersenden von Aufgaben und Arbeitsergebnissen. Sehr stark setzen wir uns außerdem mit dem Thema Bildungsgerechtigkeit auseinander, verleihen Tablets, finanzieren Prepaidcards und sammeln jetzt alte Handys für Kinder ohne Internetzugang. 

Newsletter: Was nehmen Sie aus dieser Corona-geprägten Zeit mit?

Kreuzer: Was Schüler und Pädagogen zurzeit wirklich verbindet, ist, dass wir alle Lernende sind. Und das verändert Schule zeitgemäß. Ich selbst eigne mir nach und nach digitale Kompetenzen an. Mein Stolz ist dabei mindestens genauso groß, wie wir ihn von Schülern kennen, wenn etwas gelungen ist. Und ich zwinge mich immer wieder, meine Scham zu überwinden, wenn ich eine ganz blöde Frage habe, weil ich denke, dass Schulleitung in diesem Digitalisierungsprozess Vorbild sein muss.

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Mit Wobo macht lernen doppelt Spaß!
Unten: Johannes Bogenschneider vor einem für die Schüler erstellten Padlet. Fotos: © Hannah Panten/Wolfgang-Borchert-Schule

Homeschooling für Erstklässler –
eine besondere Herausforderung

"Liebe Kinder, heute ist Mittwoch. Die Sonne scheint, die Vögel singen. Könnt ihr sie hören? Welche Vögel könnt ihr sehen?" Jeden Morgen begrüßt Wobo, das Maskottchen der Wolfgang-Borchert-Schule in Eimsbüttel, die Kinder der Klasse 1.0. In Zeiten von Corona begleitet Wobo die Erstklässler momentan nur virtuell per Email durch die gewohnte Wochenstruktur. Dazu gehören neben dem Erzählkreis am Montag der Klassenrat am Freitag sowie regelmäßige Yogaeinheiten. Klassenlehrerin Mirjam Holz dreht dazu kurze Videos, in denen sie die Übungen - mit Wobos Unterstützung - vormacht. Außerdem ist sie die Schöpferin des selbstgehäkelten Maskottchens.

"Die Idee eines Klassentiers oder einer Figur gab es ganz unabhängig von Corona. Dass es jetzt aber so gut passte, war ein glücklicher Zufall", erklärt die Pädagogin. Zusätzlich zu einem kurzen Text darüber, was Wobo erlebt und gelernt hat, gibt es täglich ein Foto des Maskottchens in Aktion. Holz freut sich, dass die Geschichten so gut angenommen werden: "Wobo bekommt viel Post von den Kindern und die Schüler lernen und üben dabei, ohne es zu merken." Gerade in der ersten Klasse sei der Kontakt sehr wichtig, um die Motivation und den Bezug aufrechtzuerhalten, was dank Wobo wunderbar gelingt.

Einer der Schwerpunkte der 2019 neu gegründeten Wolfgang-Borchert-Schule ist der Einsatz von digitalen Medien. "Dadurch wussten wir schon vor der Schulschließung über die technische Ausstattung der einzelnen Haushalte genau Bescheid", sagt Johannes Bogenschneider, stellvertretender Schulleiter und Medienbeauftragter der Grundschule. "Bei uns werden von Anfang an in allen Fächern digitale Medien eingesetzt - programmieren, Texte schreiben und recherchieren sind feste Bestandteile des Unterrichts". Die Kinder seien es deshalb gewohnt, mediengestützt zu lernen. Zusätzlich zu den online bereitgestellten Materialien bekommen die Kinder einmal in der Woche in einem dicken Brief mit Arbeitsblättern nach Hause - und zwar ganz analog mit der Post. Bogenschneider: "Den persönlichen Kontakt vermissen alle Seiten natürlich trotzdem!"

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Foto: © Michael Reichmann

Frag den Rabe:
Wie und wann werden die Schulen geöffnet, Herr Senator?

Mit unserer Rubrik "Frag den Rabe" geben wir Schülern, Eltern, Mitarbeitern der Schulbehörde und allen anderen Bildungsinteressierten die Möglichkeit, Fragen rund um das Thema Schule und Bildung direkt an Bildungssenator Ties Rabe zu richten. In dieser Woche gibt es vor allem ein großes Thema: Wie und wann werden die Schulen geöffnet, Herr Senator.

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